Nachhaltigkeitsbericht 2018

Innovationen

Warum dieses Thema für uns wesentlich ist

Die Zufriedenheit unserer Kunden und die Qualität unserer Leistungen bestimmen sich zu einem großen Teil dadurch, welche Effekte unsere Leistungen auf die Performance von Industrieanlagen haben. Unsere Kunden erwarten daher, dass wir bei unserer Leistungserbringung die neuesten technologischen Erkenntnisse, die modernsten Standards und die aktuellsten Verfahren und Instrumente berücksichtigen. Dies gilt insbesondere auch mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung, die sich in der derzeit sehr dynamisch entwickelt. Innovationen sowie Entwicklungsaktivitäten leisten deshalb einen wichtigen Beitrag zu unserer Wettbewerbsfähigkeit und zum Ausbau unserer Marktposition.

Christina Johansson (Quote-Portrait)

„Der technologische Wandel verändert die Prozessindustrie substanziell. Mit unseren Investitionen in innovative Lösungen verschaffen wir unseren Kunden einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil, um dieser Herausforderung erfolgreich zu begegnen.“

Christina Johansson, CFO Bilfinger SE

Welches Konzept wir verfolgen

Die Entwicklung von Innovationen und die Weiterentwicklung unserer Leistungen, Verfahren und Technologien sind in allererster Linie Aufgaben unserer operativen Einheiten. Diese sind eng mit den Bedürfnissen unserer Kunden vertraut und kennen die branchen- und regionenspezifischen Anforderungen am besten.

Da in allen unseren Konzerngesellschaften das Thema „Digitalisierung“ erheblich an Bedeutung gewonnen hat, wurde 2017 zunächst das Bilfinger Digitalization & Innovation Lab errichtet. Um die Entwicklung digitaler Lösungen zu beschleunigen, wurde diese Einheit 2018 in eine eigenständige Gesellschaft – die Bilfinger Digital Next – überführt.

Bilfinger Digital Next beschäftigte zum Jahresende 2018 rund 30 Mitarbeiter und hat zur Aufgabe, sowohl die operativen Einheiten bei ihren Digitalisierungsprojekten zu unterstützen als auch neue und bestehende Kunden von Bilfinger im Rahmen ihrer digitalen Transformation zu beraten. Darüber hinaus gehört es zu den Aufgaben der Gesellschaft, die entwickelten digitalen Lösungen in den Markt einzuführen. Hierzu bündelt Bilfinger Digital Next die Digitalisierungskompetenzen von Bilfinger, fördert den internen Wissensaustausch und entwickelt in Zusammenarbeit mit den operativen Gesellschaften und bestehenden Kunden digitale Lösungen. Dabei kooperiert sie auch mit Technologiepartnern wie Microsoft, Siemens und der Software AG sowie mit Start-ups oder Forschungsinstituten.

Der Wissensaustausch wird durch regelmäßige Treffen der Digital Experts der operativen Einheiten, durch Open-Day-Events mit Kunden und den operativen Gesellschaften, durch Vertriebsschulungen und durch Workshops gewährleistet, beispielsweise für die Business Development Manager der Konzerngesellschaften und Divisionen. 2018 wurden für jede Division Akzeleratoren benannt, deren Aufgabe es ist, für eine schnelle Distribution innovativer Ideen und Best Practices innerhalb des Konzerns zu sorgen. Netzwerke zwischen einzelnen Konzerngesellschaften mit ähnlichen Geschäftsmodellen gewährleisten zusätzlich einen intensiven Know-how- und Erfahrungsaustausch und unterstützen die Entwicklung marktgerechter Lösungen.

We can

Mobile Fackel

Eine flexible Lösung auf Rädern
Mobile Fackel (Foto)

Die mobile Fackel ist eine vollwertige Hochtemperaturfackel, die innerhalb kürzester Zeit in Betrieb genommen werden kann. Sie kommt überall dort zum Einsatz, wo Kunden über keine stationären Fackelsysteme verfügen, im Rahmen von Instandhaltungsarbeiten Gase aber sicher verbrannt werden müssen. Die mobile Fackel, die auf einem Anhänger installiert ist, kann über mehrere Stunden mit Hilfe von Batterien betrieben werden. Entwickelt wurde diese extrem mobile und flexible Lösung von Bilfinger EMS.

Wie wir unsere Ziele erreichen wollen

Unser Ziel ist es, Ideen in vielversprechende Innovationen zu überführen und so unseren hohen Qualitätsstandard auch zukünftig zu erfüllen. Daher legen wir großen Wert auf die Innovationskraft unseres Unternehmens und unserer Mitarbeiter. Da wir in der Digitalisierung und im Markt für nachhaltige Industriedienstleistungen zahlreiche Potenziale sehen, haben diesbezügliche Innovationen und F&E-Aktivitäten einen hohen Stellenwert.

2018 verfolgten wir Innovationsprojekte mit einem Gesamtaufwand von 12,3 Mio. Euro. Hinzu kommen die zahlreichen Innovationen und Weiterentwicklungen unserer Leistungen, die nicht in Form von Innovationsprojekten, sondern im Rahmen von kontinuierlichen Verbesserungen und Kundenaufträgen entstanden sind.

Tabelle
Aufwand für Forschung und Entwicklung

in Mio. Euro

 

 

 

 

 

 

2018

 

2017

Gesamtaufwand

 

12,3

 

10,9

davon Digitalisierung

 

8,5

 

6,5

davon Industrie

 

3,5

 

3,8

davon Energie und Umwelt

 

0,3

 

0,6

Diagramm
Aufwand für Forschung und Entwicklung
F&E Aufwand (Tortendiagramm (Umschaltung))

Im Mittelpunkt der Aktivitäten von Bilfinger Digital Next stand 2018 die Weiterentwicklung von (Bilfinger Connected Asset Performance). Diese umfassende Digitalisierungslösung für die basiert auf einer digitalen Plattform, auf der Daten aus verschiedenen verteilten Quellen zusammengeführt werden. Hierzu zählen beispielsweise Daten aus den Bereichen Engineering, Produktion, Instandhaltung und dem laufenden Betrieb sowie externe Informationen. Mit Hilfe dieser zusammengeführten Daten lassen sich beispielsweise Maintenance-Vorgänge deutlich besser planen und in konkrete Lösungen für umsetzen. Auf diese Weise können die Produktivität, die Verfügbarkeit und die Flexibilität von Industrieanlagen erheblich gesteigert und gleichzeitig die Instandhaltungs-, Material- und Energiekosten gesenkt werden.

Die Praktikabilität des Konzepts ist im Rahmen verschiedener Pilotprojekte erfolgreich getestet worden. Im Laufe des Berichtsjahres wurde zur Marktreife geführt und ist bei mehreren Kunden bereits im Einsatz. Neu entwickelt wurden 2018 die Produkte Industrial Tube und PIDGraph.

Da wir mit unseren Kunden in aller Regel langfristig, eng und auf Augenhöhe zusammenarbeiten, ergibt sich bei der Digitalisierung der Prozessindustrie für uns ein bedeutendes Alleinstellungsmerkmal: Wir entwickeln unsere digitalen Lösungen stets gemeinsam mit unseren Kunden und können die Anwendbarkeit und Vorteilhaftigkeit unserer Innovationen während des gesamten Entwicklungsprozesses eingehend prüfen und steuern. So entstehen bei unseren Innovationen in vergleichsweise kurzer Zeit überzeugende Lösungen, die bereits in der Praxis getestet sind.

We can

Industrial Tube

Videoanleitungen von Experten für Experten
Industrial Tube (Foto)

Mit Industrial Tube bietet Bilfinger der Industrie eine internetbasierte Videoplattform. Auf dieser finden Experten Videos, die industrielle Aufgaben und deren einzelne Arbeitsschritte einfach visualisieren. Um selbst solche Videos zu erstellen, bedarf es nur eines Smartphones oder einer Datenbrille sowie der Industrial Tube App. Mit Hilfe von integrierten Vorlagen gibt die App ein Drehbuch vor, mit dem die Anwender schrittweise passende Aufnahmen machen. Die einzelnen Arbeitsschritte werden dabei vom Mitarbeiter während der Arbeiten kommentiert. Im Anschluss überträgt die App das Videomaterial in die Cloud von Industrial Tube, wo es nach einem standardisierten Freigabeprozess automatisch zu einem fertigen Video zusammengefügt wird. Basierend auf Künstlicher Intelligenz erstellt das System zudem mehrsprachige Untertitel sowie Schlüsselwörter, die dafür sorgen, dass das Video mittels Stichwortsuche im Web-Portal von Industrial Tube einfach gefunden und geteilt werden kann. Die Lösung ist dabei nicht auf den Einsatz in der Prozessindustrie beschränkt, sondern kann auch in anderen Industrien im Wissensmanagement eingesetzt werden.

We can

PIDGraph

Automatisierte Digitalisierung analoger Anlagendokumentation
PIDGraph (Foto)

PIDGraph ist eine Software, die es mit Hilfe Künstlicher Intelligenz ermöglicht, Rohrleitungs- und Instrumenten-Fließschemata von Industrieanlagen automatisch zu digitalisieren. Hierzu liest PIDGraph ein derartiges Schema zunächst – beispielsweise als Bilddatei – ein und zerlegt dieses anschließend in sogenannte Knoten und Kanten. Auf Mustererkennung trainierte neuronale Netze identifizieren die verwendeten Symbole und wandeln die Objekte, Tags und Tabellen automatisch in XML-Dateien nach DEXPI-Standard um. PIDGraph merkt sich außerdem Korrekturen der Nutzer und passt seine Erkennung entsprechend an, so dass sich Fehler in kurzer Zeit minimieren. Mit PIDGraph gelingt daher eine automatisierte Digitalisierung von zentralen Anlagendokumenten der Prozessindustrie mit geringem Zeitaufwand und erheblichen Kosteneinsparungen.

Video: PIDGraph
Prozessindustrie
Industriebranche, in der Stoffe und Materialien in chemischen, physikalischen, biologischen oder anderen technischen Prozessen und Verfahren verarbeitet werden.
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BCAP®
Integriertes Konzept von Bilfinger zur Digitalisierung der Prozessindustrie (Bilfinger Connected Asset Performance)
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Prozessindustrie
Industriebranche, in der Stoffe und Materialien in chemischen, physikalischen, biologischen oder anderen technischen Prozessen und Verfahren verarbeitet werden.
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Predictive Maintenance
Vorausschauende Instandhaltung
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BCAP®
Integriertes Konzept von Bilfinger zur Digitalisierung der Prozessindustrie (Bilfinger Connected Asset Performance)
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