Nachhaltigkeitsbericht 2018

Arbeitssicherheit

Warum dieses Thema für uns wesentlich ist

Die Unversehrtheit aller Mitarbeiter steht für Bilfinger an erster Stelle. Daher haben Aspekte der Arbeitssicherheit zentrale Bedeutung für alle unsere Aktivitäten. Darüber hinaus sind sichere Arbeitsprozesse, die Durchführung von Arbeitssicherheitskampagnen und Kennzahlen zur Arbeitssicherheit wichtige Kriterien, die von unseren Kunden bei der Auftragsvergabe häufig abgefragt werden.

Welches Konzept wir verfolgen

Der Themenbereich Arbeitssicherheit wird bei Bilfinger durch den Zentralbereich koordiniert. Corporate HSEQ schafft durch seine zentrale Governance-Funktion die Voraussetzungen für die konzernweite Umsetzung eines HSEQ-Managements.

Die von Corporate HSEQ erarbeiteten Arbeitsschutzmaßnahmen finden ihren Ausdruck in konzernweit einheitlichen Richtlinien und gehen zum Teil über die jeweiligen nationalen Gesetze und Anforderungen hinaus. Die Verantwortung für die Einhaltung der Arbeitssicherheitsstandards liegt bei den Führungskräften der Einheiten vor Ort, um auf die jeweiligen lokalen Gesetze und Arbeitsbedingungen gesondert eingehen zu können.

Corporate HSEQ sowie lokale HSEQ-Spezialisten unterstützen die operativen Einheiten bei der Einhaltung und Weiterentwicklung der Programme und Maßnahmen. Dazu sind vielerorts ergänzende Regelungen und Systeme vorhanden, die auf den HSEQ-Konzern-Grundsätzen und -Richtlinien basieren.

Über die Sicherheit am Arbeitsplatz informiert ein an den Vorstand gerichteter HSEQ-Quartalsbericht, der alle Konzerngesellschaften und damit sämtliche Arbeitsplätze von Bilfinger berücksichtigt. Über besonders schwere Unfälle, deren Analyse sowie erforderliche Korrekturmaßnahmen wird der Vorstand umgehend informiert. Entsprechend den rechtlichen Vorgaben sind in den eigenständigen Organisationseinheiten der Landesgesellschaften Arbeitsschutzausschüsse vorhanden.

Wir setzen eine Management-Software (Synergi Life, bei Bilfinger „ACTIVE“ genannt) ein, die die Erfassung, Berichterstattung und Bearbeitung von HSEQ-Ereignissen weltweit nach einheitlichen Standards ermöglicht. Unfallrisiken, Beinaheunfälle und Ereignisse können mithilfe einer App direkt vor Ort schnell und flexibel durch Führungskräfte und Mitarbeiter erfasst werden.

Die Wirksamkeit unserer Systeme für den Arbeitsschutz wird durch Zertifizierungen nach den Standards 18001 und SCC/SCP (Safety Certificate Contractor) oder nach vergleichbaren Standards nachgewiesen, wobei circa 80 Prozent unserer operativen Einheiten mindestens eines dieser Zertifikate besitzen. Wir führen in allen unseren Tochtergesellschaften regelmäßige interne Audits durch. Zu diesen internen Audits kommen weitere externe Audits hinzu, z. B. durch Zertifizierer, Behörden oder Kunden. So stellen wir eine fortlaufende und regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit unserer Systeme sicher und können uns kontinuierlich weiter verbessern.

Leistungsindikatoren

Im Geschäftsjahr 2018 wies die (Lost Time Injury Frequency – Accidents per 1.000.000 working hours performed) konzernweit einen Wert von 0,66 auf. Dies bedeutet zum Vorjahr (0,74) einen prozentualen Rückgang von 11 Prozent. Die von Bilfinger verwendete LTIF-Kennzahl umfasst Unfälle mit mindestens einem Ausfalltag von Mitarbeitern und Leiharbeitnehmern.

Trotz unserer gestiegenen Arbeitssicherheitsmaßnahmen kam es 2018 erstmals wieder zu arbeitsbedingten Unfällen von Mitarbeitern und Leiharbeitnehmern mit Todesfolge. In Skandinavien verlor ein Mitarbeiter nach einem Sturz in einem Wassersperrwerk sein Leben; in Osteuropa starben sechs Mitarbeiter bei der Explosion eines Tanks. Wir haben die beiden Gesellschaften, in denen sich diese Unfälle ereigneten, sowie eine weitere, die 2018 unsere hohen Sicherheitsanforderungen nicht erfüllt hat, einem speziellen Programm unterstellt, um sie entsprechend zu unterstützen. Im Rahmen dieses Programms sind die betroffenen Gesellschaften dazu verpflichtet, ihre Arbeitssicherheitsmaßnahmen konsequent und systematisch zu verstärken, regelmäßig über ihre diesbezüglichen Aktivitäten zu berichten sowie Workshops und Schulungen durchzuführen. Monatlich begleiten und unterstützen die Mitarbeiter des Zentralbereichs HSEQ die Einheiten vor Ort bei der Umsetzung dieses Programms.

Die Anzahl der HSEQ-Mitarbeiter () pro 100 Mitarbeiter betrug zum 31.12.2018 konzernweit 1,56.

Wie wir unsere Ziele erreichen wollen

Das Ziel aller unserer Maßnahmen ist es, die Arbeitssicherheit weiter zu steigern. Unser Konzept „Road to Zero“ hilft uns, die arbeitsbedingten Erkrankungen und Unfälle kontinuierlich zu reduzieren. Dabei streben wir eine jährliche Verbesserung von mindestens 10 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der letzten drei Jahre an. Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir dieses Ziel erreicht.

Um diese Zielsetzung auch zukünftig zu erfüllen, ergreifen wir nicht nur entsprechende technische und organisatorische Maßnahmen, sondern thematisieren die Arbeitssicherheit auch immer wieder durch unterschiedliche Kommunikationsmittel, um die Aufmerksamkeit für Arbeitssicherheitsthemen zu erhöhen. So weisen wir beispielsweise alle Mitarbeiter in Form von monatlichen „Safety-Moments-Rundschreiben“ auf generelle Arbeitssicherheitsaspekte hin.

Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Einbeziehung, die Verpflichtung und das Commitment der Führungskräfte bis hin zu den Mitgliedern des Vorstands. So gehört es beispielsweise zu den Aufgaben der Führungskräfte und der Vorstandsmitglieder, regelmäßig eine von ihrem Aufgabengebiet abhängige Anzahl von Sicherheitsbegehungen („Safety Walks“) konzernweit durchzuführen, dabei Risiken und Gefahren anzusprechen, die Mitarbeiter für Arbeitssicherheitsfragen zu sensibilisieren und ihre Begehungen zu dokumentieren. Die Ergebnisse der Sicherheitsbegehungen können mobil – während der Begehung – erfasst werden und fließen direkt in unsere zentrale HSEQ-Software ein.

Zur Sensibilisierung für Arbeitssicherheitsthemen tragen wesentlich unser Sicherheitsprogramm SafetyWorks! und die in diesem Zusammenhang entwickelten Informationskampagnen bei. 2019 werden wir eine Sicherheitskampagne zum Thema „Umgang mit Erlaubnisscheinen“ unter dem Motto „We make Permits work“ durchführen.

Mit unserem jährlich verliehenen Safety Award honorieren wir sowohl herausragende Sicherheitsinitiativen als auch innovative Ideen zur kontinuierlichen Verbesserung der Sicherheitsleistung. Die konzernweite Auszeichnung soll die erbrachte Leistung aller Mitarbeiter und Führungskräfte, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben, würdigen und zusätzlich dazu motivieren, sich für sichere Arbeitsbedingungen und den Erhalt der Gesundheit aller Beschäftigten zu engagieren.

We can

Safety Street

Sicherheitstraining vor Ort
Safety Street (Foto)

Bei der Safety Street handelt es sich um ein interaktives Sicherheitstraining, das als „Trainingsstraße“ aufgebaut ist. Das Training findet auf dem Gelände eines Kunden statt. Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, die Straße zu durchlaufen. Dabei werden an jeder Station ein typisches Sicherheitsrisiko und seine Prävention anhand von Hilfsmitteln und Werkzeugen erklärt und veranschaulicht. Diese einfache, aber sehr wirkungsvolle Idee von Bilfinger ROB erhielt 2018 den Bilfinger Safety Award in Gold.

HSEQ
Health, Safety, Environment & Quality
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OHSAS
Zertifizierungsnorm für Managementsysteme im Bereich Arbeitsschutz (Occupational Health and Safety Assessment Series)
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LTIF
Kennzahl zur Häufigkeit von Unfällen, die zu Ausfallzeiten geführt haben (Lost Time Injury Frequency Rate)
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Full-time equivalent
Kennziffer, die angibt, wie viele Vollzeitstellen sich rechnerisch bei einer gemischten Personalbelegung mit Teilzeitbeschäftigten ergeben.
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